17rec
 
kUNDEkOENIG
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Manchmal ist es kaum auszuhalten, wenn YouTube eine frischgebackene Portion Pop-Törtchen auf den heimischen Bildschirm schiebt. Egal wie perfekt die hochauflösenden Videos aus dem Netz auf die Bildschirme rauschen - es bleibt ein unangenehmer Nachgeschmack: Das eigene Leben scheint zu klein für diese Überdosis Gaga-Pop, der eigene Alltag zu grau.

kUNDEkOENIG halten dagegen, sprechen von sich, besingen die Realität und die Träume echter (ja, die gibt es auch noch) Menschen. "Don't Call", das zweite Album der Hamburger Band, spielt mit der melodischen Seite des Post-Punk. Tristesse ist hier ein geradezu aristokratisches Stilmittel; das eigene Leben eine Waffe im Kampf um die Wirklichkeit. Viele der Songs öffnen sich in majestätisch weite Klangräume. Das erinnert an Bands wie Joy Divison, Psychedelic Furs, The Raincoats, manchmal aber auch an den verspielten Indie-Pop von Belle & Sebastian. "Es liegt ein Grauschleier über der Stadt", stellten bereits vor mehr als 30 Jahren die Fehlfarben fest. Auch bei kUNDEkOENIG ist ein poetisch persönlicher Realismus angesagt: "I don't care what you think about, this is my song, it tells from you", singt Lisa Radziejewski beschwörend in "Love Is A Strange Game". Der Beat dazu ist tight wie ein Paar Röhrenjeans, eine nervös quengelnde Gitarre und ein hymnisches Saxofon treiben das Stück nach vorn.
Das berührende "Human" stellt die fragil verletzliche Stimme der Sängerin noch stärker in den Mittelpunkt, während die Band sich in ein dunkel schillerndes Hinterzimmer aus atmosphärischen Klängen zurückzieht. Das ist nicht der Tonfall eines Performance-Profis, nicht die abgeklärte Kopie einer Kopie, sondern erinnert an die fragile, aber berührende Intensität von Outsider-Künstlern wie Daniel Johnston, oder Scout Niblett. Auch der zweite Sänger, Saxofonist und Akkordeonspieler Thorsten Graf, beweist in "Purdah" eine enorme stimmliche Präsenz.

Eine eigenwillige Intensität durchzieht die Musik von kUNDEkOENIG. Das könnte unter anderem auch daran liegen, dass vier der sechs Musiker mit einem Handicap leben. Vielleicht ist es ein Klischee, dass ein blinder Saxofonist die Töne intensiver hört. Möglicherweise rührt daher die ungeheure Detailbesessenheit von kUNDEkOENIG, die Liebe zu jeder Facette eines Songs.

10 Jahre gibt es kUNDEkOENIG inzwischen. Als Nebenprojekt der experimentelleren Station 17 gegründet, spielten die Musiker anfangs noch einen wilden Mix aus "Trash, Punk, Polka". So lautet der Titel des Debütalbums, auf dem überwiegend Coverversionen zu hören sind - von den Dresden Dolls bis zu Emir Kusturica. Inzwischen sind die sechs Hamburger bereit die Bühnen der Clubs mit ihren eigenen Songs zu erobern. Die Handicaps sind dabei keine Behinderung, sondern eine Herausforderung. "Don't Call" erzählt mit kraftvoll poetischen Songs mehr über das Leben, als der Wahnsinn der Pop-Törtchen auf YouTube.

kUNDEkOENIG sind:
Lisa Radziejewski, Gesang | Thorsten Graf, Gesang, Akkordeon, Saxofon | Peter Burhorn, Schlagzeug | Carl-John Hoffmann, Gitarre | Florian Busche, Bass | Christian Hebel, Keyboards